Zahl der Schlichtungsverfahren bei Flugreisen gestiegen

Zahl der Schlichtungsverfahren bei Flugreisen gestiegen

12. Juli 2018 0 Von Redaktion

Die Zahl der Schlichtungsanträge von Flugreisenden im ersten Halbjahr 2018, die bei der „Schlichtungstelle für den öffentlichen Personenverkehr“ (söp) eingingen, ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent gestiegen. Das erklärte der Geschäftsführer der söp, Heinz Klewe, bei der Präsentation der Halbjahresbilanz am Donnerstag in Berlin. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hätten sich 7.745 Flugreisende an die von der Bundesregierung offiziell anerkannte Schlichtungsstelle gewandt.

Negative Folgen der zahlreichen Flugverspätungen

Als Gründe für das hohe Fallaufkommen sieht Klewe, unter anderem, „die bereits seit einigen Monaten auftretenden Unregelmäßigkeiten im nationalen und europäischen Luftverkehr“. Kunden spürten die negativen Folgen der zahlreichen Flugverspätungen bzw. Flugannullierungen hautnah und verlangten auf Basis der europäischen Passagierrechte dafür einen finanziellen Ausgleich.

Schlichtung als letzter Schritt

Verbraucher, bei denen es bei Reisen mit Bahn, Fernbus, ÖPNV, Schiff oder Flugzeug zu Verspätungen oder Ausfällen kommt, können bei der söp einen Schlichtungsantrag stellen. Voraussetzung ist, dass die zunächst erforderliche, direkte Beschwerde gegen das jeweilige Verkehrsunternehmen keine, oder keine zufriedenstellende Antwort erbracht hat. Stimmen die Reisenden als Beschwerdeführer und die Verkehrsunternehmen als Beschwerdegegner der Schlichtungsempfehlung zu, ist diese – gleich einem Vertrag – für beide Parteien bindend. Ohne die Gerichte bemühen zu müssen, können so mehr als 80 % aller Streitigkeiten definitiv beendet, Geld, Zeit und viel Ärger gespart werden. Die Schlichtungsarbeit der söp ist für die Verbraucher kostenfrei. Es fallen weder Bearbeitungsgebühren, Mehrwertsteuer noch ein Erfolgshonorar an.

Fehlender Kundenservice bei Airlines

Nach Recherchen der Verbraucherredaktion von Radio Farbenspiel, setzen vor allem Fluggesellschaften bei Forderungen nach Ticketerstattungen und Ausgleichszahlungen auf Zeit. „In vielen Fällen reagieren Airlines gar nicht, und wenn überhaupt, dann nur auf erneutes Nachfragen und Drängen des Kunden“, beschreibt Programmleiter Marc Fischer die Situation. Eine echte Kommunikation im Sinne eines zufriedenstellenden Kundenservice finde in den seltensten Fällen statt. „Wir müssen davon ausgehen, dass Fluggesellschaften die Leistungen aussitzen wollen und auf das Vergessen des betroffenen Reisenden bauen.“

Bei Beschwerden nicht beachtet

Die Voraussetzungen, zu welchen (finanziellen) Leistungen eine Fluggesellschaft im Falle von Unregelmäßigkeiten verpflichtet ist, regelt eine EU-Verordnung. Diese legt auch fest, in welchen Zeiträumen eine Airline auf Forderungen reagieren muss.

Beispiel: Ticketerstattung. Diese muss, wenn sie unstrittig ist, innerhalb von sieben Tagen erfolgen. Die Fluggesellschaft „Condor“ erklärte beispielsweise gegenüber dem Sender, Kunden müssten mit mindestens sechs Wochen rechnen. „Wir haben es mehrfach getestet – der Kunde wird mit seinen Anliegen einfach nicht beachtet“, so Fischer weiter. Hinzu kommen Wartezeiten in der Hotline von „Condor“, die – das haben ebenfalls Tests des Senders ergeben – zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten bei über 40 Minuten lagen. Auch bei anderen Fluggesellschaften gibt es, laut Verbraucherredaktion, im Bereich Kundenservice im Reklamationsfall jede Menge Luft nach oben. (Bild: pixabay.com)

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