Kommentar

[27.09.2021] Die SPD ist der strahlende Sieger der Bundestagswahl 2021. Die Union erreicht ihr Rekordtief, verliert über acht Prozentpunkte und ist nach 16 Jahren Kanzlerschaft Merkel abgewählt.

Umso überraschender, dass die stellvertretende CSU-Parteivize Dorothee Bär am Montagmorgen im Deutschlandfunk von einem “Wählerauftrag” spricht und über eine Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP philosophiert. Damit steht sie nicht allein da. Viele Vertreter von CDU und CSU glauben weiterhin fest an einen Regierungsauftrag und sehen sich bereits als Kanzlerpartei einer neuen Koalition. Das grenzt nicht nur an Überheblichkeit, sondern ist ein klares Zeichen für Realitätsverlust.

Kanzlerkandidat Armin Laschet hat die Union in eine tiefe Krise gestürzt. Chancen, im Wahlkampf zu punkten, gab es viele: Angefangen von echten, kreativen Ideen im Klimaschutz, über einen ehrlichen, egngagierten Einsatz in den Hochwassergebieten bis hin zu überzeugenden Argumenten, wie denn die nächsten Jahre vor dem Hintergrund von langsam ausklingender Corona-Krise und Außenpolitik zu gestalten sind. Laschet hatte jede Menge Möglichkeiten, sich von Merkel abzusetzen und den Neuanfang der Union zu schaffen. Laschet kam, sah – und machte nichts.

Die Wählerinnen und Wähler haben das abgestraft. Sie kreuzten die Union in ein Desaster. Nicht einmal ein Viertel der Votierenden schenkte CDU/CSU das Vertrauen.

Der Weckruf ist vorbei. Jetzt wäre Demut angesagt. Mit dem Ziel, auf Teufel komm’ raus an der Macht zu bleiben, würde die Union der Demokratie nachhaltig schaden.

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