[22.10.2020] Mit einem eindringlichen Appell an die Verantwortung jedes Einzelnen, sich und andere vor einer Corona-Infektion zu schützen, hat sich RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstagvormittag an die Öffentlichkeit gewandt. „Das Infektionsgeschehen ist ernst“, sagte Wieler in Berlin und fügte an, man wisse nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln werde.

Dennoch bestehe weiterhin die Chance, die Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verlangsamen. Dabei rief der RKI-Chef einmal mehr zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes auf. Die AHAL-Regeln hätten oberste Priorität, sagte der Mediziner.

Man beobachte eine regional teils starke Ausbreitung, welche auch unkontrolliert verlaufen könnte. Mit dem heutigen Tag liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei 56,2 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Ausbreitung bei intensiven Kontakten

Als Hauptansteckungsorte gelten, laut Wieler, Familien und private Zusammenkünfte. Es sei zu beobachten, dass eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 an Orten erfolge, an denen Menschen gerne und intensiv zusammenkommen. Gerade dort würden Infizierte das Virus auf andere übertragen und zu sogenannten „Superspreadern“ werden.

Demgegenüber würden zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Rahmen von Hotelübernachtungen kaum Infektionen verzeichnet, stellte Wieler fest. Das sei verständlich, denn dort komme es zu wenig Interaktionen von Menschen, so der RKI-Chef weiter. Man müsse daher bei Schutzmaßnahmen das Hauptaugenmerk auf die privaten Zusammenkünfte legen, um eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Kein Strategiewechsel

Dabei handele es sich nicht um einen Strategiewechsel, sagte Wieler. Es gelten weiterhin die von Anfang realisierte Vorgehensweise aus Eindämmung, Schutz und Milderung. Ziel sei, dass Gesundheitsämter, Kliniken und Ärzte weiterhin nachhaltig mit dem Virus umgehen und alle Chancen nutzen könnte, dessen Ausbreitung zu verlangsamen.

Anfangs kaum Schutz von Risikogruppen

Rückblickend sagte Wieler, man sei im Frühjahr vom Virus relativ plötzlich überrascht worden, der Schutz der Risikogruppen sei nur unzureichend gewesen. Das habe sich inzwischen geändert. Jetzt sei ein anderes Geschehen zu beobachten: Sehr viele junge Menschen tragen das Virus, so dass der Anteil der älteren Infizierten sei geringer. Allerdings sei bereits eine Änderung zu registrieren, es würden immer mehr Menschen über 60 Jahren erkranken.

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