[07.07.2021] “Live is life” sang einst die österreichische Band Opus. Ein Song, der 1984 beim Konzert zum elfjährigen Bestehen von Opus im Stadion von Oberwart (Burgenland) live aufgezeichnet wurde.

Live ist aktuell kaum noch etwas. Neben Corona-bedingt abgesagten Konzerten vieler Musikerinnen und Musiker setzt auch das Fernsehen in diesen Zeiten auf Konserve. Vor allem betroffen sind die Unterhaltungs- und Showformate, insbesondere die Sendungen für Schlagerfans.

Mehrkosten durch Schutzmaßnahmen

Das Konzept scheint kostensparend. Vorproduziert lassen sich Sendungen einfacher planen und herstellen, so die gängige Meinung. Aber ist das wirklich so?

Der SWR bestreitet das. Der Sender teilt auf Anfrage mit, dass die Produktionen während der Corona-Pandemie, wie beispielsweise “Schlagerspaß mit Andy Borg”, Mehrkosten durch strenge Hygieneschutzmaßnahmen verursacht hätten. Die Summe könne man noch nicht abschließend beziffern.

Minus durch fehlende Ticketverkäufe

Ähnlich argumentiert der MDR. Ein Sprecher teilte gegenüber Radio Farbenspiel mit, dass nicht nur die Hygienemaßnahmen überaus kostenintensiv gewesen seien und noch sind. Aufgrund der Corona-Pandemie habe man auch keine oder nur sehr wenige Tickets an Live-Publikum verkaufen können. Diese Einnahmen würden Pandemie-bedingt fehlen.

Reduziertes Live-Erlebnis

Der Vorteil von Aufzeichnungen sei, dass man in der Regel mehr als eine Sendung im selben Set und mit gleichbleibendem Team produzieren könne, so eine SWR-Sprecherin. Diese Einsparung werde allerdings durch die sogenannte Postproduktion, also das Aufarbeiten und Zusammenstellen des Rohmaterials zur fertigen Sendung, wieder ausgeglichen.

Den größten Nachteil von Aufzeichnungen sieht der SWR für das Publikum – sowohl vor Ort als auch zuhause. Der Eventcharakter und das Live-Erlebnis seien deutlich reduziert, heißt es aus Stuttgart. Damit entstünden weniger Spannung für Publikum und Beteiligte. Zudem lasse sich nicht mehr auf aktuelle Geschehnisse reagieren.

Herausforderung zu Kreativität

Damit bezieht sich der SWR vor allem auf eine mögliche Einbindung von Zuschauerinnen und Zuschauern sowie die “adäquate Social-Media-Begleitung” einer Live-Produktion. Wie sehr diese von Fans genutzt wird, zeigt Stefan Mross am Ende von “Immer wieder sonntags”, wenn er bereits während der Abmoderation per Smartphone seine Perspektive live auf Facebook überträgt und die Klick-Raten steigen.

Auch der MDR und sein Zugpferd Florian Silbereisen wissen um die Bedeutung der zusätzlich aufgenommenen Bilder und Berichte nach einer Show, die zwar verwackelt, dafür aber unter viel Zuspruch in den sozialen Medien Likes erhalten.

Bedauerlich findet auch der MDR daher das Fehlen von Live. Corona habe den Sender vor die Herausforderung gestellt, trotz der Pandemie neue, attraktive Konzepte zu entwickeln und die Shows entsprechend anzupassen. Doch, mal ehrlich, Fans und Schlagerfreunde hätten nichts gegen die Rückkehr zu Altbewährtem. Wir sind auf einem guten Weg. (Bild: Das Erste)

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