Kommentar

Ein Nein ist ein Nein. Es ist die wohl schnörkelloseste Art, eine persönliche Entscheidung kundzutun. Es ist aber auch gleichzeitig die eindeutigste. Ein Nein steht als Antwort auf lapidare Fragen nach dem Kaffee am Abend oder dem schnellen Besuch bei Tante Ingeborg. Ein Nein entscheidet aber auch über wichtige Fragen, wie zum Beispiel gesundheitliche Eingriffe, medizinische Maßnahmen und Behandlungen. Ganz gleich, auf welchen Anlass ein Nein folgt: Es ist Ablehnung, bedeutet Abwehr, zeigt fehlende Akzeptanz.

Ein Nein ist keine Meinung

Das Nein eines anderen kann man verstehen oder nicht. Man kann es bedauern oder belächeln. Man kann es mit Unverständnis quittieren oder voller Achtung anerkennen. Die persönlichen Möglichkeiten sind vielfältig. Nur eines kann und darf man nicht: Ein Nein zum Anlass nehmen, den anderen von einer eigenen Meinung zu überzeugen. Denn ein Nein ist keine Meinung. Es ist eine schlichte, überaus persönliche Entscheidung, die für Außenstehende nicht begründet werden muss.

Schade, dass Joshua Kimmich nicht einfach bei seinem Nein zum Thema Impfen geblieben ist. – Halt! Bevor der Autor dieses Kommentars ob dieser Aussage mit einem Schnellfeuer üblicher, unkritischer Blindgänger auf die Zielscheibe mit dem Querdenker-Logo bedacht wird, einfach mal entspannt durchatmen. Ein Nein ist ein Nein. Nur darum geht es. Vor allem und gerade bei Entscheidungen zur Gesundheit.

Gesundheit ist verdammt persönlich

Gesundheit als höchstes Gut ist eine verdammt persönliche Sache. Sie darf und kann nicht zum Spielball öffentlicher Diskussionen werden. Gesundheit ist egoistisch. Das war sie schon immer. Meine Entscheidungen in allen Fragen der Gesundheit gehen nur mich etwas an. Wer als Außenstehender, im Falle von Kimmich, als einer der nicht wenigen Kommentatoren dem Fußballer zwar zugesteht, “natürlich” eine eigene Entscheidung treffen zu “dürfen”, den Satz jedoch mit einem “aber” ergänzt, macht sich nicht nur lächerlich, er oder sie tritt Persönlichkeitsrechte mit Füßen. Unsolidarischer kann man nicht handeln.

Sogar die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, und Regierungssprecher Steffen Seibert sprangen auf den Zug der öffentlichen Maßregelung Kimmichs auf. Die gern zitierte Vorbildfunktion des Nationalspielers und Bayern-Profis als Begründung herzunehmen, dass dieser seine Gesundheit doch bitte in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen habe, ist weder ethisch noch demokratisch. Ein solches Handeln ist unüberlegt und zeigt, mit Verlaub, von fehlender Sachkenntnis.

Gesundheit kennt keinen Promistatus

Das ändert auch nicht die von Kimmich unnötigerweise dem Nein angefügte Begründung, die man aus medizinischer Sicht trefflich widerlegen kann. Es ist völlig unwichtig, was ein Joshua Kimmich zum Thema Corona-Impfung ausführt. Seine Einlassung hat soviel Bedeutung, wie die Meinung der vielen, die ihn dafür kritisieren, unterstützen und ihre eigene Einstellung zum Thema hinausposaunen.

Entscheidend sind einzig und allein die Aussagen von Virologen, Epidemiologen, Ärzten und Wissenschaftlern. Und selbst die sind sich nicht immer einig, ziehen zur Begründung von Entwicklungen die Studien heran, die ihre persönliche Meinung am besten belegen. Das ist erlaubt. Vor allem bei einem Problem, das auch nach über eineinhalb Jahren in vielen Details ungelöst ist.

Ja, es gibt viele gute Gründe für die Impfung gegen Corona. Und die meisten der von Ungeimpften formulierten Sorgen sind vollkommen unbegründet. All das stellt jedoch keinen Grund dar, öffentliche Tribunale einzurichten, welche die Entscheidungsfreiheit – nicht die Meinung – eines Einzelnen beeinflussen. Ganz gleich, ob er prominent ist oder nicht. Gesundheit kennt keinen Prominentenstatus. Und ein Nein bliebt ein Nein.

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