Kommentar

[18.07.2021] Nicht zum ersten Mal muss ein Live-Unterhaltungsformat vor dem Hintergrund aktueller, trauriger Ereignisse stattfinden. Die Sendung “Immer wieder sonntags” mit Stefan Mross und Gästen stand heute vor dieser großen Herausforderung.

Entertainment trifft auf Realität, oder andersherum. Der Anspruch an gelebtes Mitgefühl ist in diesen Augenblicken hoch – das gilt für die Redaktion hinter den Kulissen, aber auch und gerade für diejenigen auf der Bühne. Sollte Unterhaltung der berechtigten Trauer weichen?

Hohe Kunst der Gratwanderung

Die Antwort kann nur ein “Nein” sein. Das Leben bietet kein “entweder – oder”, sondern nur ein “sowohl – als auch”. Alltag ist ein sich fortwährend drehendes Kaleidoskop aus bunten und schwarzen Steinen, aus leuchtenden Farben und farblosen Stücken. Wer in diesen Momenten im Rampenlicht steht, muss die hohe Kunst der Gratwanderung beherrschen. Ihm oder ihr muss es gelingen, der in jeder Hinsicht fordernden und herausfordernden Situation ein ehrliches Gesicht zu geben.

Die richtigen Worte

Genau das ist dem Team von “Immer wieder sonntags” gelungen. Im Gegensatz zur Show “Verstehen Sie Spaß?”, welche die ARD am Samstagabend mit rechtfertigenden Untertiteln aus der Konserve holte, musste Stefan Mross am heutigen Sonntag live unterhalten. Dass “unterhalten” in diesem Zusammenhang zu einem allumfassenden Begriff wurde, mag nur wenigen bewusst aufgefallen sein. Jedenfalls schaffte es der Moderator mit viel Einfühlungsvermögen und den richtigen Worten den Erwartungen an Format und Pietät gleichsam gerecht zu werden. Das verdient ein großes Kompliment.

Licht und Schatten wahrnehmen

Sich über einen eigens geschaffenen Song (“Hand in Hand” von Christian Geller) aufzuregen, wie es einige Medien tun, ist das eigentlich Verwerfliche. Seit “We are the world” drücken sich Künstlerinnen und Künstler musikalisch aus, rufen zu Hilfe auf und sagen ganz einfach “Ihr seid nicht allein”. Vergessen wir nie: Das Leben geht weiter. Wichtig ist, es in Licht und Schatten wahrzunehmen. (Bild: Das Erste)

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