Die Feste in der ARD: Im Ersten nichts Neues?

Die Feste in der ARD: Im Ersten nichts Neues?

4. Januar 2017 0 Von Redaktion

– Kommentar –

Wenn Moderator Florian Silbereisen seine Stimme übertrieben senkt und mit dem Ausdruck eines Jahrmarktansagers die nächste Feste-Sendung ankündigt, haben eingefleischte Schlager- und Volksmusikfans längst erkannt, dass dabei das Datum der interessanteste Teil ist, und weniger die Liste der Künstler. Eigentlich schade, denn Letztere sind doch das eigentliche Salz in der Suppe. Doch seit zahlreichen Ausgaben des Flaggschiffs der ARD-Unterhaltung am Samstagabend wird den Zuschauern in Sachen Abwechslung, so könnte man es beschreiben, die Suppe gehörig versalzen.

Spezis auf der Gästeliste

„Im Ersten nichts Neues“ stellt der geneigte Fernsehzuschauer beim Blick auf die Gästeliste fest. Denn die beinhaltet auffallend häufig immer wieder dieselben Gesichter einer Branche, die doch, nach eigenen Angaben, so vielfältig ist und eine Menge Potenzial an talentiertem Nachwuchs oder Chartstürmern besitzt. Unheilig setzte sich in der vergangenen Woche an die Spitze der Album-Charts. Tim Bendzko positionierte sich in den Top 10, auch Clueso schaffte kurzzeitig einen ersten Rang.

Doch auch diejenigen, die „einfach nur“ eine neue CD veröffentlichen, sucht man bei Silbereisen vergeblich. Beispiele gefällig? Wie wäre es mit Dirk Busch, tolles, neues Album. Liane und Reiner Kirsten präsentierten „Schlager Erinnerungen“als bestens produzierte Duette. Die Calimeros verzeichnen immer mehr Fans. Oder, wie wäre es mit Alex Rosenrot? Oder Isabel Varell? Oder Birgit Langer, ehemals ‚die‘ Stimme des Fernando Express? Oder Eva Luginger? Oder den Amigos? Oder, oder, oder.

Club der bekannten Gesichter

Von „neu“ oder „Abwechslung“ ist bei der ARD und bei Die Feste mit Florian Silbereisen leider nicht viel zu sehen. Die Shows haben sich zu einer Art Club der bekannten Gesichter entwickelt. Man setzt offenbar auf „immer wieder“ und „Alltagskost“. Ross Antony, Andrea Berg oder Vanessa Mai gehören schon zur Stammbesetzung. Und dass bei Florian Silbereisen mit DJ Ötzi oder Klubbb3 seine Spezis Gerry Friedle, Jan Smit und Christoff regelmäßig mit dabei sind, ist natürlich selbstverständlich. Abgerundet wird das Ganze durch die DDC, die Dance Floor Destruction Crew, bei dem der Moderator gern auch mal selbst die Hüften kreisen lassen und sich selbst in Szene setzen kann.

Wenn es nicht allzu auffällig wäre, müsste sich das Publikum wohl auch mit Partnerin Helene Fischer als Dauergast einverstanden erklären – doch bei derart offensichtlichen Familienbanden haben Silbereisen & Co. anscheinend doch Hemmungen. Bis jetzt. Stellt sich die Frage, wann Vetternwirtschaft beginnt und der Anspruch des Zuschauers an einen ausgewogenen Künstlermix endet?

Mut gehört dazu

Das Erste verpasst so unweigerlich Chancen. Wer sich als Zugpferd deutschsprachiger Musik versteht, der muss liefern. Und er könnte, denn die Nachfrage ist da. Seit Fans der Branche Hit- oder Schlagerparaden im Fernsehen vergeblich suchen und auch im Radio der deutsche Schlager eher ausgegrenzt als gefördert wird, ist das Interesse an einer ausgewogenen TV-Kost im Bereich Schlager umso stärker. Dazu muss keine neue Sendung geschaffen werden, die möglicherweise eine für die Macher „uninteressante“ Zielgruppe bedient (selbst das mag angezweifelt werden).

Der vorhandene, rote Teppich könnte ausgerollt bleiben. Für jeden. Man kann sich natürlich auf guten Einschaltquoten ausruhen und auch künftig der US-amerikanischen Floskel „never change a winnig team“ folgen. Nur bleibt anzumerken, dass im Falle einer größeren Künstlervielfalt eben nicht das Team ausgetauscht, sondern lediglich das Spiel abwechslungsreicher gestaltet würde. Vielleicht würden so völlig neue Zuschauergruppen erschlossen. Als Tipp sei an einen Hit von Rex Gildo erinnert, übrigens auch leicht verändert: Nicht Glück, sondern Mut gehört dazu. (Bild: ARD)

Marc Fischer

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