Heimat ist, wo Spatzen singen

Mit ihrem aktuellen Album „Die Sonne scheint für immer“ bleiben sich die Kastelruther Spatzen musikalisch treu. Live sind die Südtiroler stark, wie nie.

Traditionelle Tracht, Bilder und Videos von überwältigender Bergwelt und glücklichen Haflingern auf saftig grünen Wiesen, dazu Titel mit Herz. Diese Kombination ist eigentlich eine Steilvorlage für all diejenigen Kritiker der volkstümlichen Musik, die sich ach so gern in endlosen Debatten über die sprichwörtlich „heile Welt“ verlieren. Doch während die ewigen Miesmacher immer mehr verstummen, spielen die entsprechenden Musiker und Künstler munter auf. Kein Wunder: Sie begeistern ein Publikum, das stetig wächst.

Abschalten und genießen

Am Mittwoch luden die Kastelruther Spatzen, gemeinsam mit der deutschen Schlagersängerin Liane, zu einem Konzert in die Stadthalle Singen ein. Ausverkauftes Haus mit 1.400 Gästen. Mit dabei auch mehrere Fanclubs, die Liane und der Südtiroler Band um Frontmann Norbert Rier nicht nur seit Jahren die Treue halten, sondern den beliebten Musikern auch bei Konzerten hinterher reisen. Nicht zuletzt zum legendären „Spatzenfest“, jenem furiosen Großereignis mit Tausenden Schlagerfreunden, das den Heimatort der Band Kastelruth alljährlich zu einem Wallfahrtsort ihrer Anhänger werden lässt.

Und die stehen voll und ganz hinter ihren Stars. Vor allem bringen sie die Begeisterung auf einen einfachen Nenner: „Die Lieder der Kastelruther Spatzen erzählen Geschichten, die das Leben schreibt“, erklärt uns eine Dame in eigens gestaltetem Sweat-Shirt ihres Fanclubs. „Es ist einfach nur schön, den Songs zuzuhören“, ergänzt ein anderer Spatzenfan.

Ähnlich beschreibt das auch Sänger Norbert Rier im persönlichen Gespräch. „Es ist ganz wichtig, dass sich unser Publikum in den Konzerten zurücklehnen, abschalten, genießen und die Alltagssorgen vergessen kann. Es ist doch einfach nur schön, wenn Musik ein Stück heile Welt vermittelt.“ – Den Begriff definiert Rier dann auch sehr individuell: „Jeder hat das Recht, sich sein persönliches Stück heile Welt zu schaffen, ganz gleich, wo er lebt oder sich zuhause fühlt. Wir wollen niemandem etwas aufzwingen.“ Für ihn und die Kollegen sei allerdings der schönste Flecken Erde die Heimat Südtirol, inmitten der traumhaften Berge.

Geschmack des Publikums

Dieses Heimatgefühl bringen die Spatzen ihren Fans und Freunden immer wieder musikalisch und bildhaft nah – in Konzerten, Video-Einspielern und eben den zahlreichen Alben. Die Kastelruther Spatzen sind nur ein Beispiel für die Abteilung volkstümlicher Schlager, aber sie sind nach wie vor die bekanntesten und mit erfolgreichsten Vertreter der Branche. Die Zahl der Alben und Auszeichnungen spricht für sich: Fast 40 CDs sind seit der Gründung der Spatzen im Jahre 1975 erschienen, unzählige von ihnen erreichten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Gold- und Platin-Status, die Band wurde im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen Musikpreisen geehrt.

Dass die aktuelle CD „Die Sonne scheint für alle“ die hinsichtlich der Titelauswahl vielfältigste ist, möchte Norbert Rier so nicht unbedingt stehen lassen. Man wähle bei jeder CD unterschiedliche Songs aus, die möglichst interessante Themen zum Inhalt haben. Entscheidend sei, die Texte in schöne Melodien zu verpacken, die dann auch den Geschmack des Publikums treffen. Insofern sei jedes Album natürlich auch eine Art musikalische Entwicklung, so Rier.

Geschichten erzählen, zuhören können

Musikalisch haben sich die Kastelruther Spatzen nicht nur bei Studioaufnahmen entwickelt, auch die Live-Konzerte sind ein Ohren- und Augenschmaus. Jedes einzelne Bandmitglied hat sich im Laufe der Jahre zu einem perfekten Solisten entwickelt, der einzeln brilliert und als Teil der Gruppe einen hörbar eigenständigen und unverzichtbaren Beitrag leistet. Mehr noch: Die Südtiroler brauchen auf ihren Konzerten keine Tanzeinlagen oder Akrobatik. Sie musizieren, sie singen, sie erzählen Geschichten, in denen sich jeder wiederfinden kann und bei denen jeder mitempfindet. Nicht die Art der Musik, sondern die Fähigkeit, zuhören zu können, macht eine „heile Welt“ aus. Und wer möchte vor diesem Hintergrund nicht in ihr leben?

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