Die hässliche Fratze des Journalismus

Die hässliche Fratze des Journalismus

19. Juli 2018 0 Von Redaktion
Kommentar von Marc Fischer

„Wer hat Schuld am Chaos?“ fragte in dieser Woche die „Bild“-Zeitung im Fall Sami A.. Um die Antwort zu finden, müsste das Blatt, das sich gern als eine Art Sprachrohr der Nation sieht, lediglich in die eigene Beitragshistorie schauen. An der vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen untersagten, aber dennoch erfolgten Abschiebung des tunesischen Gefährders, war „Bild“ auslösend beteiligt. Das Blatt brachte den Stein erst ins Rollen. Durch eine mediale Hetze, die ihresgleichen sucht. Das fällt seltsamerweise keiner Medienkommission und keinem Ethikrat auf.

Seit Ende April erfolgte in einzelnen, aufeinander folgenden Reportagen und Beiträgen eine regelrechte Hetzjagd. Durch Stimmungsmache und eigene Recherchen samt Bildmaterial, schuf die Springer-Lektüre vornehmliche Fakten durch billige Parolen auf AfD-Niveau, der sich die Politik irgendwann nicht mehr entziehen konnte. Selten zeigte eine Berichterstattung unter dem Deckmantel des Journalismus eine derart hässliche Fratze. Jeder, der daran zweifelt, darf gern die Suchmaschine der „Bild“ bemühen und die Berichterstattung seit April verfolgen – solange sie noch in ihrer Vollständigkeit vorhanden ist.

Politiker als Getriebene der Yellow Press – das ist keine Seltenheit. Doch noch nie war ein Fall so erschreckend nachvollziehbar, wie der des Sami A..

Damit wir uns richtig verstehen: Selbstverständlich gehören Gefährder, mutmaßliche Straftäter und ähnliche, Sicherheit und Demokratie gefährdende Subjekte, unter strengste Beobachtung, müssen gegebenenfalls ausgewiesen werden. Daran besteht kein Zweifel. Wenn sich jedoch eine Zeitung anmaßt, Judikative zu spielen und es schafft, durch Polemik Recht zu brechen und Druck aufzubauen, dann ist das nicht nur beschämend und beängstigend, es ist ein Angriff auf die Demokratie und den freien Journalismus. Solange die verantwortlichen Stimmungsmacher nicht nur in Talkshows eingeladen werden, sondern als „Experten“ überhaupt Gehör finden, wird sich daran nichts ändern. (Bild: pixabay.com)

Please follow and like us:
0