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[12.09.2021] Man nehme eine Prise rechte Hand aufs Herz, würze mit dem Zuwerfen von Küssen und lasse alles unter Zugabe von “Ciao Ragazzi” drei Stunden schmoren – fertig ist das neue Format “Die Giovanni Zarrella Show” im ZDF.

Giovanni Zarrella soll als moderative Wunderwaffe künftig das richten, was Carmen Nebel offenbar nicht mehr leisten konnte: Mit einem Feuerwerk der guten Laune, gespickt von nationaler und internationaler Schlager- und Popkultur, die Familie am Samstagabend vor dem Bildschirm zu vereinen.

Personenlastig durch Italien

Das ist dem sympathischen, musikalischen Italo-Deutschen mit schwäbischen Wurzeln und ein paar Jahren Rom-Erfahrung bei der Show-Premiere gelungen. Ein Schelm, wer kritisiert, dass der Schwerpunkt vor allem auf Zarrellas eigener Familie lag. Ma per favore: Wir sprechen von Italien!

Ein Format, welches den Namen des Moderators bereits im Titel trägt, darf personenlastig sein. Das Konzept funktionierte schon bei anderen. Leider konnte Carmen Nebel weder singen noch tanzen. Wahrscheinlich wurde ihr das, neben der jüngeren Zielgruppe, letztlich zum medialen Verhängnis.

Unterhaltsames Potpourri

Giovanni Zarrella bietet mit seiner neuen Show all das, was Kollege Florian Silbereisen seit Jahren mit wechselnden Konzepten in der ARD umsetzt: Ein unterhaltsames Potpourri aus Musik, Talk und Leichtigkeit. Da gibt es die coole Bacardi-Strandsause zu Alvaro Soler, “Bergdoktor”-Tochter Ronja Forcher, die in befreiter Heidi-Manier die Almwiesen hinunter rockt, eine stark verpeilte Maite Kelly, und, natürlich, Kumpel Pietro Lombardi, von dem man immer noch nicht weiß, ob er nun von Zarrellas adoptiert wurde oder nicht.

Hang zu Perfektionismus

Dem ZDF und Giovanni Zarrella ist mit der “Giovanni Zarrella Show” ohne Zweifel gelungen, ein ganz eigenes Format auf die Beine zu stellen. Die Samstagabend-Unterhaltung wurde verjüngt, mutig und mit neuen Ansätzen. Allerdings wurde alles so stark auf den Moderator maßgeschneidert, dass es manchmal unter den Armen kneift.

Die Demut des Giovanni Zarrella wirkt irgendwann, wie eine schwere Tiramisu. Das Küsschenwerfen zu den Lieben wie eine saure Pannacotta. Zarrella bringt den privat gelebten Hang zu Perfektionismus so mitteilsam auf die Bühne, dass Leichtigkeit und Charme unter den Teppich gedrängt werden. Der gute Mensch aus Hechingen verliert sich in Dankbarkeit des für ihn Unerklärlichen.

Aber bleiben wir bei Leichtigkeit und Charme. Beides besitzt auch und gerade Giovanni Zarrella. Man muss den Jungen nur machen lassen. Mit weniger “Ciao Mama, Ciao Papa”, dafür mehr Eigenständigkeit und Orientierung in Richtung Zuschauer. Dann wird aus aalglatt irgendwann Individualität. (Bild: ZDF)

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