[13.10.2021] Frauen verdienen in einer Partnerschaft seit jeher und noch immer deutlich weniger als ihre Ehemänner. Zu diesem Ergebnis kommt die erste globale Studie zur geschlechtsspezifischen Lohnungleichheit in Privathaushalten. Dazu wurden weltweit Daten von 2,85 Mio. Haushalten in 45 Ländern ausgewertet, und das über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten, nämlich von 1973 bis 2016.

Zwei indische Forscher des Indian Institute of Management in Bangalore leiteten die Untersuchung. Die Ergebnisse wurden von der gemeinnützigen Luxembourg Income Study (LIS) zusammengetragen.

Lohnunterschiede in allen Ländern

Die beiden Wissenschaftler Hema Swaminathan und Deepak Melghan wollten mit ihrer Studie das globale Bild über einen längeren Zeitraum beobachten. Dabei kamen sie zu teils erstaunlichen Ergebnissen. Denn die Lohnunterschiede zwischen Ehepartnern sind in allen Ländern vorhanden, unabhängig von nationalem Entwicklungsstand oder privatem Einkommen.

Die Datenlage zeigt: In keinem einzigen Land der Welt verdienen Frauen annähernd so viel, wie ihre Partner. Selbst in den skandinavischen Ländern, die gerne als Musterbeispiel für Geschlechtergleichheit herangezogen werden, gibt es eine Lohngleichheit. Die Studie zeigt Einkommensunterschiede von teils 50 Prozent zwischen Frauen und Männern.

Kulturelle Gründe und Gewohnheit

Grund für das geschlechtsspezifische Lohngefälle könnte, laut Wissenschaftlern, kulturell bedingt sein: Männer würden noch immer und viel zu häufig als “Ernährer” gelten, während Frauen sich eher auf den Haushalt konzentrierten, so die Studienleiter. Hinzu käme, dass Frauen nach einer Geburt oftmals eine berufliche Pause einlegten oder aus dem gut bezahlten Berufsfleben ganz ausstiegen.

Dafür spricht das Ergebnis eines Berichts der International Labour Organisation (ILO) aus dem Jahr 2018. Demnach leisteten Frauen mit einem Anteil von über 76 Prozent der Gesamtstunden rund dreimal soviel an unbezahlter Haushaltstätigkeit, wie Männer. Diese Situation sei der Hauptgrund, der Frauen davon abhalte, überhaupt oder erneut ins Berufsleben einzusteigen.

Ehe bei Verdienst eine “Blackbox”

Für die Forscher stellt die Lohnungleichheit innerhalb der Ehe und Partnerschaft zwischen Mann und Frau ein großes Problem dar. Die Beziehung sei eine “Blackbox”, in die man nur schwer hineinschauen könne, heißt es. Der arbeitstechnische Beitrag der Hausfrau ist unsichtbar, während Einkommen und Bargeld sichtbar seien. Eine Ehefrau, die Geld verdiene, genieße einen gewissen Status, so die Forscher weiter. Einkommen stärke ihre Handlungsfähigkeit.

Silberstreif am Horizont

Es gibt allerdings ein hoffnungsvolles Zeichen: Die Studie zeigte auch, dass geschlechtsspezifische Lohnungleichheit innerhalb der vergangenen 40 Jahre zurückgegangen ist, und zwar um rund 20 Prozent. Beigetragen dazu hätten wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum. In vielen Teilen der Welt gebe es eine frauenfreundlichere Politik, welche die Kluft verringert habe. Vor allem das Ziel: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit trage Früchte, so die die Wissenschaftler. Jetzt komme es darauf an, die bestehende Lücke vollständig zu schließen. (Bild: pixabay.com)

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