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[25.10.2020] Die Shows mit Florian Silbereisen sind so etwas, wie der Sonntagsbraten bei Oma: Man weiß, was einen erwartet, aber es schmeckt einfach. Vorsuppe, Hauptgericht, und am Ende ein leckeres Dessert, auf das man gangweise sehnlichst hinarbeitet. Omas kulinarisches Rezept wird bei Florian Silbereisen und seinen Gästen zu einem medial funktionierenden Konzept.

Das Erste präsentierte mit „Das große Schlagerjubiläum“ ein buntes Stelldichein der aktuellen Branchenelite. Was sonst gehört auf einen Sendeplatz zur Primetime an einem Samstagabend? Wer wider besseren Wissens künstlerisch auf Unbekanntes hoffend einschaltet und am Ende die Auftretenden despektierlich als immer wiederkehrende „Silbereisen-Familie“ kritisiert, muss sich die Frage nach Alternativen gefallen lassen.

Stars mit Story

Natürlich gibt es jede Menge unbekannte Gesichter, erfolgreiche Interpreten und einem TV-Auftritt dieser Größenordnung ohne Zweifel gewachsene Sängerinnen und Sänger. Doch es sind weder Silbereisen noch Produzent Jürgens, die eine „Familie“ aus immer wieder denselben Gesichtern generieren. Es sind die Top-Stars der Schlagerbranche, die sich längst selbst ihren festen Platz geschaffen haben, quotenstark sind und ausreichend Potenzial für Geschichten liefern.

Wenn „Onkel“ Jürgen Drews im Duett mit Semino Rossi die Wunderkerzen entzündet, wenn die Draufgänger Andy Borg zum Tanzen bewegen, wenn Hape Kerkeling en Kölsche Leed zum Besten gibt, wenn Matthias Reim mit Kindern, aktueller Partnerin und der Ex gemeinsam in einer Show auftreten und Howard Carpendale seine bekanntesten Titel in symphonischer Neuaufnahme präsentiert, dann ist das Samstagabendunterhaltung vom Feinsten. So wird aus Omas kulinarischer Gangfolge ein echtes Entertainment-Menu.

Hingucker ohne Publikum

„Das große Schlagerjubiläum“ am Samstagabend entwickelte sich noch aus einem anderen Grund zu einem Hingucker. Bühnenkonzept, Dramaturgie und Kameraführung zeigten, dass eine Show unter Corona-Bedingungen – mit Abstand und ohne Publikum – nicht als optischer Exot gelten muss.

Die im Zuge des Infektionsschutzes geltenden Regeln waren, im Gegensatz zu vielen anderen Produktionen, nicht mehr wirklich spürbar: Bildfüllende Bühne, Tänzer in Bewegung, Menschen in kaum spürbarer Distanz als Kulisse. Allein aus diesem Grund gab es viel Überraschendes bei Florian Silbereisen. Auch bei Oma gibt es nicht immer nur den einen Braten. (Bild: Das Erste)

Bei der dreistündigen Show „Das große Schlagerjubiläum“ am Samstagabend schalteten insgesamt 5,63 Mio. Zuschauer ein; das entspricht einem Marktanteil von 19,1 Prozent beim Gesamtpublikum. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil bei 9,7 Prozent.

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