Radio Farbenspiel – Wissenschaft

[22.09.2021] Die BioNTech-Gründer Türeci und Sahin sowie die Biochemikerin Karikó werden mit dem Paul-Ehrlich-Preis geehrt. Die Auszeichnung erfolgt für ihre gemeinsame Forschung und Entwicklung sogenannter mRNA-Impfstoffe, zu denen auch der Corona-Impfstoff des Unternehmens gehört. Von den Geehrten haben viele Menschen erst im Zuge der Pandemie gehört, doch ihre Forschungsarbeiten dauerten rund 40 Jahre.

Notfallzulassung ab 12 Jahren

Geforscht wird allerdings weltweit, unter anderem in Indien. Das indische Pharmaunternehmen Zydus Cadila hat den ersten DNA-Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt. Sein Name: ZyCoV-D. Studien zeigten eine allgemein gute Verträglichkeit, zudem sei das Arzneimittel sicher. Der Impfstoff wurde jetzt im Rahmen einer Notfallzulasssung für die Anwendung genehmigt, und zwar ab 12 Jahren. Ein Artikel im Fachmagazin Nature verweist auf eine Schutzwirkung von 67 Prozent.

Verabreichung ohne Piks

Interessant am Vakzin ist die Verabreichung: Sie erfolgt nicht durch Piks, wie bei den uns bekannten Impfstoffen, sondern durch ein nadelloses Injektionssystem namens PharmaJet Tropis®, das unter der Haut liegt. Dieses gibt die insgesamt drei Dosen im Abstand von jeweils vier Wochen. Das hat einen Grund.

Vorteile der DNA-Impfstoffe

DNA-Impfstoffe sind einfach herzustellen und stabiler als mRNA-Impfstoffe. Das zeigt sich an der Lagerungstemperatur: ZyCoV-D wird bei 2 bis 8°C aufbewahrt und zeigt selbst bei 25°C eine gute Stabilität über drei Monate. Darüber hinaus können DNA-Vakzine, ebenso wie mRNA-Impfstoffe, schnell an Virusvarianten angepasst werden.

Die Forschung läuft seit den 1990er Jahren. Neben allen Vorteilen gibt es bei DNA-Impfstoffen allerdings auch Herausforderungen: Sie müssen in den Zellkern eindringen, um zu wirken; mRNA-Impfstoffen genügt das Zytoplasma, also der Bereich, der den Zellkern innerhalb der Zelle umgibt.

Schnelle Wirkung über Hautzellen

Die Lösung schaffte man mit dem eingangs angesprochenen Unter-der-Haut-Applikationssystem: Der Impfstoff ZyCoV-D wird nicht ins Muskelgewebe injiziert, sondern unter der Haut deponiert. Dieser Bereich ist reich an Immunzellen, die Fremdkörper wie Impfstoffpartikel aufnehmen und verarbeiten. Damit gelangt der Wirkstoff schnell an sein Ziel.

Zukunft des Impfens?

Mit ZyCoV-D konnte gezeigt werden, dass DNA-basierte Impfstoffe prinzipiell vor einem symptomatischen COVID-19-Verlauf schützen und bei der Kontrolle der Pandemie helfen können. Allein das ist nach Ansicht der Forscher von entscheidender Bedeutung. Insgesamt sind aktuell fast ein Duttzend DNA-Impfstoffe in der klinischen Erprobung. Wenn sich DNA-Impfstoffe als erfolgreich erweisen, da sind sich Wissenschaftler einig, ist das die Zukunft des Impfens – nicht nur bei Corona.

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