[06.12.2020] Die Corona-Impfung wird Geimpften, nach aktueller Datenlage, für zwei bis maximal drei Monate gesicherten Schutz bieten. Das erklärte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Prof. Dr. Klaus Cichutek, am Samstag in einer virtuellen Fragerunde mit Ärztinnen und Ärzten im Bundesgesundheitsministerium Berlin. Ob die Impfung einen längeren Schutz gewährleiste und wie lange dieser andauere könne erst im Nachhinein gesagt werden, so Cichutek weiter. Zur Veranstaltung waren auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Prof. Dr. Lothar Wieler, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eingeladen. Rund 3.000 Zuschauer begleiteten den Live-Stream.

Cichutek fügte an, dass die Bildung von Antikörpern im Rahmen einer Impfung erfahrungsgemäß länger anhalten würde. Ob das auch konkret für die aktuellen Corona-Impfstoffe gelte, könne man noch nicht sagen, so der Biochemiker weiter. Entsprechende Daten würden erst im Laufe der Zeit gewonnen werden können. Aktuell wisse man, dass die Impfung eine Infektion nicht komplett verhindern kann, aber das Risiko für Erkrankungen und schwere Verläufe deutlich mindere.

Trotz Impfung weiterhin Maskenpflicht

Ein kompletter Verzicht auf das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes würde zunächst auch für Geimpfte nicht gelten, führte RKI-Chef Wieler aus. Auch sie würden sich weiterhin an die AHA-L-Regeln halten müssen. Eine andere Empfehlung könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben. Ziel sei es, mittels der Corona-Impfung die Pandemie einzudämmen und gegebenenfalls zu stoppen. Deshalb müssten sich sehr viele Menschen für eine Impfung entscheiden, so Wieler weiter.

Der RKI-Chef bezeichnete die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, als „Akt der Solidarität“ und fügte an: Das Handeln Geimpfter orientiere sich weiterhin an der Selbstverantwortung für die Gesellschaft.

Wieler kündigte an, man werde umfangreiches Informationsmaterial für Ärztinnen und Ärzte bereitstellen. Man warte aktuell auf die Empfehlungen der STIKO. Diese sollen noch im Dezember vorliegen.

Zweifach-Impfung gegen Covid-19

Geplant sind weiterhin zwei Corona-Impfungen im Abstand von vier bis sechs Wochen. So könnten Geimpfte einen 100-prozentigen Schutz aufbauen. Eine Impfung könne unabhängig von einer bereits durchgemachten Infektion erfolgen, erklärte Cichutek. Auch sei es nicht erforderlich, sich vor einer Corona-Impfung auf vorhandene Antikörper testen zu lassen.

Keine Wahlmöglichkeit bei Impfstoff

Für Impfteilnehmer sei es vor allem in der Anfangsphase der Corona-Impfungen nicht möglich, zwischen Impfstoffen zu wählen, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Die Ständige Impfkommission (STIKO) erarbeite als unabhängiges Expertengremium, gemeinsam mit dem Deutschen Ethikrat und der Akademie der Wissenschaften, derzeit die Vorgaben, welche Personengruppen in welcher Rangfolge die Impfung nutzen können. Die Vielfalt an Impfstoffen werde allerdings im kommenden Jahr deutlich wachsen, so Wieler weiter.

Zuversicht auf wenig Langzeitfolgen

Insgesamt äußerten sich sowohl Wieler als auch Cichutek zuversichtlich hinsichtlich des Ausschlusses möglicher Langzeitfolgen der Corona-Impfung. Diese Zuversicht basiere auf den vorliegenden, wissenschaftlichen Daten, erklärte der PEI-Präsident. Allerdings könne man, wie bei anderen Impfungen auch, einzelne Autoimmunerkrankungen nicht völlig ausschließen.

Vor allem sei es wichtig, bei einer Impfung, an der voraussichtlich viele Millionen Menschen teilnehmen, zwischen allgemein und unabhängig auftretenden Erkrankungen und Erkrankungen im konkreten Zusammenhang mit der Corona-Impfung sehr genau zu differenzieren. Hier sei die Beobachtung und Meldung seitens der Ärzte und Apotheker von entscheidender Bedeutung.

App für Impfmeldungen

Auch Geimpfte seien aufgerufen, sich aktiv an der Beobachtung zu beteiligen. Dazu, so PEI-Chef Cichutek, werde eine App zum Einsatz kommen. Diese werde im weiteren Impfverlauf Aussagen über die Verträglichkeit liefern. Geimpfte hätten mit der Anwendung zudem die Möglichkeit, eigene Informationen über Impfverlauf und Nebenwirkungen unter höchsten Datenschutz-Vorgaben an das zuständige Paul-Ehrlich-Institut und das RKI zu melden. Das PEI selbst hat auch eine Webseite für die bequeme Mitteilung einzelner Meldebilder und Beobachtungen eingerichtet. (Bild: pixabay.com)

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